magic garden
Theaterkollektiv

Pressestimmen

diagnose diagnose

Basler Zeitung 7. 11. 2011, von Maja Bagat

Kai Meyer sticht sich in den Finger. Seit er weiß, dass er Diabetes hat, kann er mit der Krankheit umgehen. Bei Anne Haug wurde ein IQ von über 150 diagnostiziert, offenbar ein Problem. Oft würde Anne gerne auf dieses Wissen verzichten. Was aber, wenn die Diagnose erst das Leiden schafft? Corinne Maier erfährt erst in einer Arztrechnung, dass bei ihr „Verdacht auf Angststörung“ vorliegt und plötzlich überfällt sie die Angst vor Angstzuständen. Das Kollektiv Magic Garden aus Bern, Basel und Berlin führt mit „Diagnose Diagnose“ durch den Sumpf der Syndrome und Symptome, der Neurosen und Sklerosen. Dabei tauchen die Darsteller in die Empirie. Sie analysieren ihre eigenen Ängste und machen aus den Zuschauern Diagnostiker. Kaum im Schlachthaus Bern platziert, bekommt jeder Zuschauer ein Klemmbrett. Während dem Stück soll er die Darsteller nach Aussehen und Haltung beurteilen, Diagnosen fällen. Auch ein Mediziner kommt ins Spiel: Lorenz Wyler. Der Assistenzarzt der Diagnostik wird ins Kreuzverhör genommen und das Machtverhältnis zwischen Ärzten und Patienten auf die Spitze getrieben. Wyler versucht die Problematik des Diagnosestellens zu verteidigen und triftet in Glaubensfragen ab. Ganz im Sinne der Austin´schen Sprechakttheorie, die Maier auf einem Whiteboard erklärt, geht es um die Macht des ärztlichen Verdikts. Um die Frage, ob erst das Stellen einer Diagnose eine Krankheit konstituiert. Plötzlich wird aus Vergesslichkeit Alzheimer, aus einem Überschuss an Energie ADHS. Unsere Diagnose des Abends: anregend. Relavant. In der Sprache der Theatermacher: voll geil.